Wegweiser (von Kai Sundermeier)
Bei unserem letzten Urlaub waren meine Frau und ich im Allgäu wandern. Das war herrlich, aber einmal war der Wurm drin! Die Karte war zu alt und nicht eindeutig und es fehlten die Wegweiser. Der Weg, für den wir uns dann entschieden hatten führte nach einem schweißtreibenden Aufstieg direkt auf eine Kuhweide. Wir mußten also umkehren. Auf der nächsten Wanderung gab es Wegweiser. Einen habe ich fotografiert. Er zeigt genau an, wohin die Wege führen, die man hier einschlagen kann und auf welchen Wegen man sich in eine Sackgasse verrennen wird.
Wie schön wäre das, wenn an den vielen Kreuzungen und Weggabelungen, die mir auf dem Lebensweg begegnen ein Wegweiser stehen würde, auf dem ich ganz deutlich lesen könnte: Aha, wenn ich hierher gehe, dann habe ich Erfolg. Und wenn ich mich für diesen Weg entscheide, dann hat das diese Konsequenzen. Das würde mir so manche Entscheidung um einiges leichter machen.
Aber unser Weg durch das Leben ist nicht so einfach. Er ist ein Wagnis. Nicht nur heute ist das so. In der Bibel steht das Gebet eines Menschen, der schon vor ca. 3000 Jahren die Erfahrung gemacht hat, dass sein Weg schwierig ist und dass sich ihm viele Hindernisse in den Weg stellen. Im 121. Psalm fragt er sich: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“
Er weiß nicht, wie er die Berge, die Hindernisse überwinden soll und wie es weitergehen soll. Er ist unsicher, fühlt sich allein und weiß absolut nicht, wo sein Weg ihn hinführen wird. Doch schon im nächsten Satz sagt er dann: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Der Mensch, der das gebetet hat, hat auf seinem Lebensweg anscheinend die Erfahrung gemacht, daß Gott ihm geholfen hat, seinen Weg zu finden und Hindernisse zu überwinden.
Wenn ich das höre, dann frage ich mich, was hat Gott getan, um diesem Menschen auf seinem Weg zu helfen? Denn ich frage mich oft genug: Wo ist Gott jetzt? Dann spüre ich nicht, dass Gott mich auf meinem Weg begleitet und mir hilft. Wie kann dieser Mensch also so überzeugt davon sein?
Ich habe einmal eine Geschichte gelesen. Eine Geschichte, die genau davon handelt, daß Gott uns auf unserem Weg begleitet und uns hilft:
Ein Mann hatte sich nachts im Wald verirrt. Seine Lampe war aus und es war stockdunkel. Er tastete sich auf seinem Weg weiter, doch plötzlich prallte er vor etwas Hartes. Er stand vor einer Felswand und kam nicht weiter. „Was soll ich nur tun?“ dachte der Mann. In seiner Verzweiflung betete er: „Gott, bitte hilf mir! Schicke doch ein Erdbeben, das die Felswand zum Einstürzen bringt, damit ich weiter kann.“ Der Mann wartete – aber das Erdbeben kam nicht. Alles blieb still.
Dafür geschah jedoch etwas anderes: Der Mond ging auf und auf einmal sah der Mann die Welt um sich herum in einem anderen Licht. Die Felswand war zwar nicht aus dem Weg geräumt, aber der Mann fand trotzdem seinen Weg.
Ich finde diese Geschichte gut, denn ich glaube, dass Gott uns auf all unseren Wegen begleitet und seine Hand schützend über uns hält, wo wir auch sind. Gott hilft uns in unserem Leben: nur nicht immer so, wie wir es erwarten. Nämlich meistens nicht mit einem großen Erdbeben das alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt.
Gott hilft uns oft, ohne das wir es sofort merken: z.B. wenn mir plötzlich ein Licht aufgeht und ich eine neue Idee habe. Oder wenn mir jemand begegnet, sich meine Sorgen anhört und mich ein Stück meines Weges begleitet. Ich glaube, so wirkt Gott in unserem Leben: oft ganz leise und sacht, ohne daß wir es richtig merken.
Jemand hat mal gesagt: „Gott ist das Leiseste, was es gibt auf der Welt!“ Ich glaube, da ist was Wahres dran.
Kai Sundermeier, Pastor am Klinikum Minden
